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Ganz Gleich.

Endlich ist es so weit. Langsam und dennoch deutlich kündigt sich der Frühling an. Schon in den frühen Morgenstunden singen die ersten Vögel die Sonne herbei. Und wer sich schon in früher Dämmerung auf den Weg macht, der kann ihn riechen und fühlen. Den inneren Sommer.


Die aufgehende Sonne. Über der Stadt, über den Feldern und den Wäldern. Wenn die kalte Luft den blauen Himmel zerschneidet, strömt ein ganz anderer Sauerstoff durch die Lungen. Einer, der mitten ins Herz geht. Wir müssen es nur zulassen. Achtsam sein.


In der frühen Kälte nehmen wir unseren Körper sehr viel deutlicher wahr. Wir fühlen uns verletzlicher und unsere Sinne funktionieren sensibler. Und hieraus entsteht die wunderbare Energie und innere Kraft für das nun anstehende verschwenderische Blühen und Wachsen im Frühling.



Ein ruhiger Fluss? Denn eines ist klar. Das Leben war niemals ein ruhiger Fluss. Und es war zu keinem Zeitpunkt das Produkt einer einheitlich verlaufenden Entwicklung. Nein. Die Natur arbeitet zwar mit dem recht dynamisch funktionierenden Betriebssystem „Evolution“. Doch dieses System erweist sich von Beginn an als sehr verschwenderisch. Also NICHT sparsam.


Selbst wenn bunte Wandkarten in vielen Schulen die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten vom ersten Einzeller, bis Acht-Stunden-Arbeiter der Gegenwart als einen kontinuierlich roten Faden skizzieren …. erstrahlt diese Kontinuität bei genauer Betrachtung doch etwas anders.



Niemals effizient.

Denn als vor 65 Millionen Jahren ein Meteorit irgendwo bei Yucatán einschlug, wurden über 95 % der Lebewesen auf unserem Planeten ausgelöscht. Natürlich nicht direkt. Sondern auch aufgrund der sich hieraus radikal veränderten Lebensbedingungen. Doch nicht allein dieser Einschlag sorgte für ein gewisses Tohuwabohu. Mindestens vier große Ereignisse dieser Mass Extintion wurden innerhalb unserer Erdgeschichte nachgewiesen.


Nach allen Regeln der Einheits-Einfalt hätte jedes einzelne dieser Ereignisse das Absolute Ende unserer Welt bedeuten müssen.


Doch die Natur mit seinem Evolutions-System arbeitet mit ungeheuren Reserven. Hochgradig verschwenderisch, freigiebig und unermüdlich. Wenig effizient. Doch dafür effektiv!



Unbeschreiblicher Aufstieg.

Und somit bedeutete das Sterben der vor 560 Millionen Jahren lebenden Saurier für eine kleine Gruppe überlebender meerschweingroßer Eierdiebe einen unbeschreiblichen Aufstieg.


Die kleinen Säugetiere konnten sich nach der kosmischen Katastrophe nur deshalb behaupten, weil sie auf eine enorme Vielfalt an Möglichkeiten zum Überleben zurückgreifen konnten. Nach der heute vorherrschenden Lehre der Effizienz wäre das komplett unmöglich gewesen.



Masterplanlos.


Lernen wir also von der Verschwendung. Lernen wir aus der Evolution!

Auch wir verschwenden keinen Gedanken an eine abgedroschene Verzichts-Ideologie. Wir setzen komplett auf die Evolutionstheorie. Und den Frühling!


Wir legen uns nicht fest. Wir probieren aus. Wir schöpfen aus den unzähligen Möglichkeiten, die sich uns bieten. Wir erfreuen uns an ausgedehnter Vielfalt. Einer unendlich großen Reichhaltigkeit. Wir erfreuen uns der natürlichen Prozesse, die sehr viel komplexer sind, als dass sich diese in ein paar schnöde Leitsätze fassen lassen.


Wir verzichten auf den „Masterplan“. Denn um diese unglaubliche Vielfalt zu erhalten, müssen wir alles andere im Kopf haben. Doch bitte keinen Plan.



Ganz Gleich.

Lasst uns diese wunderbare Jahreszeit entdecken. Erleben wir unsere farbige Welt. Genießen wir das bunte Treiben um uns herum. Erfreuen wir uns an der Verschiedenartigkeit.


Verschiedenartigkeit ist der reale Ausdruck des Unterschieds. Darum geht es. Ganz gleich ob bei uns im ConditCouture Café, in unserer Eis-Anita, beim Sport oder bei Kunst und Kultur.


Verschiedenheit ist uns wichtig. Auch wenn wir über die vielen Generationen hinweg auf genau das Gegenteil getrimmt wurden: Gleichheit.


Gleichheit ist der größte Feind der Verschiedenartigkeit.


Alle Lebewesen sind so einmalig und unverwechselbar, wie die unzähligen Prozesse und Methoden, die uns umgeben. Jedes einzelne in dieser Vielfalt hervorgebrachte Individuum ist wiederum treffsicher unterscheidbar … dem genetischen Code sei Dank …



Und siehe da!

Auf einmal ängstigt sich der auf Einheit getrimmte, moderne Mensch vor Vielfalt. …. weil ihm diese als unübersichtlich erscheint?


Doch tatsächlich gibt es doch eigentlich nichts Präziseres: Die Evolution ist - was die korrekte, punktgenaue Auswahl angeht - tatsächlich sehr viel zuverlässiger als jeder Erbsenzähler.



Vielfalt ist vielleicht das Schwierigste für eine Gesellschaft,

damit zu leben,

und vielleicht das Gefährlichste für eine Gesellschaft,

ohne sie zu sein.


William Sloane Coffin Jr.



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