In bester Gesellschaft.

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht." Oder vielleicht zeitgemäßer:

„Was der Bauer nicht frisst – kennt er nur zu gut.“ Der Landwirt mistet, betreibt Herden-Management am Computer, manövriert seinen Betrieb durch einen immer holprigeren Paragrafen-Acker des EU-Agrarmarktes und verdient damit weniger als ein Angestellter im Chemiewerk, dessen Produkte er großzügig über seinen Feldern versprüht.

Etwas Rückständigkeit auf der einen – skrupellose Industrialisierung auf der anderen Seite. Im Umkehrschluss scheint dieses deutsche Sprichwort zunehmend an Bedeutung gewinnen.

AgroBusiness ist BigBusiness.

Die drei größten Landtechnik-Unternehmen teilen sich die Hälfte des Weltmarktes. Und drei Saatgut- und Agrar-Chemiekonzerne kontrollieren diesen.

Ganz vorne mit dabei - das deutsche Unternehmen Bayer.

Alljährlich bekommen wir die hieraus mittlerweile entstandene – vielleicht auch mehr oder weniger mitverursachte - Not unserer Bauern mit.

Spätestens dann, wenn diese medienwirksam mit Ihren Traktoren nach Berlin tuckern, um Subventionen zu generieren.

Es gibt keinen Grund zum Jammern.


Wir Deutschen sind an billige Lebensmittel gewöhnt.

In Konsequenz

  1. diktieren die großen Lebensmittelketten die Preise,

  2. Staat und Europäische Union reglementieren und Subventionieren

  3. und der günstig einkaufende Verbraucher beschwert sich über mangelnde Produktvielfalt und Qualität.

Ein kurzer Blick über die Grenzen in Richtung Frankreich genügt.

Unsere französischen Nachbarn schätzen gute Qualität, investieren dafür ca. 20% mehr in ihre Lebensmittel und erfreuen sich somit nicht nur einer größeren Angebotsvielfalt ... sondern ebenfalls einer besseren ProduktQualität.


RekordJagd im Stall und auf dem Acker.

Wenn die Scholle zum Geschäftsfeld wird, dürfen wir uns also nicht beschweren, wenn unsere Bäuerlichen Kulturlandschaften etwas einseitig und farblos erscheinen.


Beschweren wir uns also bitte nicht, wenn ein Bauer somit nur die rentabelsten Pflanzen anbaut, statt seinen Boden zu schonen. Weizen bringt 20 Euro mehr pro Hektar. Warum also zwischen Rapps, Weizen und Gerste wechseln?


Ok … inzwischen muss auf immer mehr Feldern der Weizenanbau eingestellt werden … die Biologischen Bedingungen … … … ….


Monochrome Flächen, Mauern aus Mais, von Tonnenschweren Landmaschinen zusammengepresste, ausgelaugte Böden, von Pestiziden vernichtete Blumen und verseuchtes Grundwasser.


Bis auch der natürliche Rest-Widerstand aus Ackerfuchsschwanz, Rapsglanzkäfer oder Nematoden durch neue Wirkstoffkombinationen der Chemie eliminiert ist.


Beharrlichkeit siegt:

Irgendwann kapituliert selbst die härteste Tardigrade.

In bester Gesellschaft.

„Was der Städter frisst - kennt er nicht“ … oder er denkt besser nicht darüber nach.

Doch erfreulicher Weise wächst auch in Deutschland die Sensibilität:

das „Günstig - Billig - Günstig“ immer mit Raubbau verbunden ist. Und genau diese wachsende Sensibilität bestärkt und bestätigt uns in unserem Backen.

Und in unserem Verständnis.

Für uns ist schon ein guter Sauerteig ein kleiner, lebendiger Planet.

Milliarden von Mikroorganismen bewohnen ihn. Und bereits auf diesem kleinen Planten erfreuen wir uns an einer gut organisierten Gesellschaft aus Milchsäurebakterien und Hefepilzen, die das Mehl aufspalten.

Von unserem gut behüteten Sauerteig-Planeten nehmen unsere feinfühligen Bäcker täglich einen Teil ab und mischen diesen mit Mehl. Die Fermentation benötigt Zeit.


Mindestens einen Tag benötigen Hefe, Milch und Essigsäuren um sich – OHNE künstliche Treiber - zu entfalten. Das Kneten bedarf kräftiger Hände und einige Erfahrung.

Und noch etwas Bemerkenswertes:

Unser Teig wehrt sich, wenn er nur von Maschinen bewegt wird. Er bewegt sich lieber selbst, gärt fröhlich vor sich hin und dehnt sich fröhlich aus.

Mehl, Wasser, Milchsäurebakterien, Hefe, Salz. … ermöglichen hunderte von AromenVarianten.

Und unser Sauerteig?

Steuert ebenfalls noch einmal mindestens dreihundert Geschmackskomponenten bei.

Und so entstehen unsere wunderbaren Brote. Die nach Bier, Würze und Obst duften. Die einen herrliches Geräusch beim Brechen erzeugen. Die außen zartknackknusprig erscheinen und innen eine feine weiche Elastizität aufspüren lassen.

Und unser Sauerteig-Planet?

Der macht fröhlich-gelassen weiter und erfreut sich seiner Unsterblichkeit – zumindest bei sorgfältigem Umgang.


Das haben wohl alle Planeten gemeinsam.

Zeit für Verantwortung.